Die „heiligmäßige“ Kaiserin

Die „heiligmäßige“ Kaiserin

Morgen jährt sich der Todestag von Kaiserin Eleonore Magdalena zum 300. Mal. Die außergewöhnliche Monarchin verstarb am 19. Jänner 1720, wenige Tage nach ihrem 65. Geburtstag. Eleonore Magdalena, die dritte Gattin Kaiser Leopolds I., Mutter Kaiser Karls VI und damit Maria Theresias Großmutter, war eine schon zu Lebzeiten für ihre demütige Frömmigkeit bekannte Frau.

Das Wienerische Diarium – die noch heute als Wiener Zeitung erscheinende älteste Tageszeitung der Welt – beginnt den langen Artikel über ihren Tod daher mit folgenden Worten:

 

Freytag/ den19. Jenner. Aldieweilen es in dem unerforschlich=

 Götttlchen Raht=Schluß beschlossen worden/ die Allerdurchleuchtigst=

 und Großmächtigste Frau / Frau Eleonora Magdalena Theresia/

 Verwittibt=Gecrönt=Römische Kaiserin/ in Germanien/ zu Hungarn/

 und Böheim Königin / Erz =Herzogin zu Oesterreich / ec. Gebohrne

Prinzessia aus dem Churfürstlichen Stammen-Hauß derer Pfalz=Gra=

fen bey Rhein / aus dieser Zergänglichkeit ungezweifelt in die ewige

Seeligkeit abzuruffen / und Selbe nach so viel irdischen / auch mit

der Himmlischen Cron / vermög Dero Welt=bekannt= Heil= geführten

Lebens=Wandle / zucrönen;

 

Eleonora Magdalena wurde als älteste Tochter des Kurfürsten Philipp Wilhelm von der Pfalz in Düsseldorf geboren. Mit 21 Jahren heiratete sie den bereits zweimal verwitweten Kaiser Leopold I obwohl sie eigentlich lieber ins Kloster gehen wollte. Doch eine Prinzessin wurde eben nicht nach ihren persönlichen Wünschen gefragt. Sie erfüllte die in sie gesetzten Hoffnungen der damals „vom Aussterben“ bedrohten Habsburger – die Prinzessinnen ihrer Familie galten als sehr fruchtbar – und gebar dem Kaiser zehn Kinder.

Schon zu Lebzeiten galt Eleonore Magdalena – wie auch das Diarium zu berichten wusste – als ausgesprochen fromm. Sie soll selbst in die Oper, in die sie nur der Repräsentation wegen ging, ein Gebetsbuch mitgenommen haben. Ein von der Kaiserin selbst verfasstes Andachtsbuch wurde auch veröffentlicht.

Eleonore Magdalena hatte verfügt, dass sie in der Kapuzinergruft nicht einbalsamiert und prächtig beigesetzt würde, sondern sie ließ sich ohne prächtige Gewänder nur mit dem weißen Habit "der Gesellschaft derer Durchlauchtigst und Hochadeligsten genannten Sklavinnen derer Leibeigenen Dienerinnen Mariae" in einem einfachen Holzsarg bestatten. Die Inschrift ihres Sargdeckels, die sie selbst verfasst hatte, lautete: "Eleonora Magdalena Theresa, Arme Sünderin, gestorben Anno 1720 den 19. Jenner." Für sie wurde übrigens erstmals die Ordnung der Aufstellung der Särge verändert – denn bis dahin waren die Damen auf der einen Seite, die Herren auf der anderen Seite bestattet. Eleonora Magdalena aber wollte in ihrem einfachen Sarg zu Füßen ihres Gatten ruhen.

Dass sie heute ebenfalls in einem prächtigen Sarkophag beigesetzt ist, der sie nicht als arme Sünderin, sondern als mächtige Fürstin zeigt, hat sie ihrer Enkelin Maria Theresia zu verdanken. Diese besuchte die Gruft und sah die halb zerfallene Holztruhe, in der ihre Großmutter ruhte, und beauftragte daraufhin Johann Georg Pichler mit der neuen, repräsentativen letzten Ruhestätte für die Kaiserin Eleonora Magdalena von Pfalz-Neuburg.

 

Wenn Ihr mehr über diese und andere besondere Persönlichkeiten aus dem Hause Habsburg wissen wollt, dann begleitet mich doch einmal auf einer Führung durch die Kapuzinzergruft! Immer auf dem Laufenden seit ihr mit meinem Newsletter: https://www.vienna-city-guide.at/newsletter oder ihr folgt meinem Blog: https://www.vienna-city-guide.at/blog

In diesem Sinne – Bis bald!

 

 

 

 

 

 

Weitere Infos:

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=17200117&seite=1&zoom=43

https://www.kapuzinergruft.com/kaiserin-eleonora-magdalena-von-pfalz-neuburg